Böse Falle "Textkommunikation"
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- Erstellt am Montag, 30. Januar 2012 12:37
- Geschrieben von IRON
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Wir denken im Alltag kaum darüber nach, wie enorm sich eine normale Unterhaltung (neudeutsch: face to face - f2f) von einer Unterhaltung im Online-Chat oder per Email unterscheidet. Während eines persönlichen Gesprächs am Mittagstisch oder in den eigenen vier Wänden tauschen wir außer gesprochenen Wörtern noch viel mehr Informationen aus: Tonfall, Duktus, Gesichtsausdruck, Körperhaltung, Gesten. All das fällt bei einer Online-Unterhaltung weg, wenn es nicht gerade ein Video-Chat oder ein Skype-Anruf ist und wird höchstens unvollkommen durch Smileys oder speziellen Internetjargon ersetzt.
Smileys werden nur von Leuten verwendet die das, was sie meinen, nicht sagen, und das, was sie sagen, so nicht meinen. [Klaus Schilling]
Das ist natürlich leicht überspitzt, aber ein Kern Wahrheit ist dennoch vorhanden.


Es passiert in Foren und auch im Chat immer wieder, dass sich Leute im Handumdrehen verbal an die Gurgel gehen, weil man sich gegenseitig missverstanden hat, eine unglückliche Formulierung verwendete oder in der Eile etwas überlas. Natürlich kann das auch im direkten Gespräch passieren, aber die nonverbale Kommunikation beugt dem vor und es ist wesentlich leichter, in einem herkömmlichen Gespräch etwas zurückzunehmen oder zu relativieren, als bei geschriebenem Text, der auch nach einer Entschuldigung oder Umdeutung noch dasteht und von den Teilnehmern gelesen werden kann.
Kleines Beispiel:
Früher lautete meine Standard-Signatur in Foren:
Der Pöbel will doch gar keine Sicherheit. Er will nur das Gefühl davon. [Urs Traenkner in de.comp.security.misc]
Wie üblich stand dieser Satz unter jedem meiner Postings. Und natürlich gab es Leute, die diesen Spruch auf sich selbst bezogen und sich dabei an "Pöbel" stießen, obwohl damit nur der Durchschnittsanwender, Otto Normaluser, gemeint ist und keineswegs eine Herabsetzung beabsichtigt war. Tja, man lernt dazu.
Auch umgekehrt gibts Missverständnisse. Wenn man in einem geschriebenen Text etwas besonders hervorheben will, geht das über Farbe, Fett- , Kursiv- oder Großschrift sowie Unterstreichung. Nicht in jedem Forum/Chat gibts alle diese Möglichkeiten. Wenn nun einzelne Wörter mal groß oder fett geschrieben werden, erregen sich empfindlichere Gemüter bereits, weil sich angeschrien wähnen. DAS IST ABER ERST DER FALL, WENN MAN ES DURCHGÄNGIG MACHT! Dumm gelaufen.
Reine Textkommunikation birgt also größere Gefahren von Missverständnissen in sich. Logische Konsequenz sollte sein, sich möglichst präzise und unmissverständlich auszudrücken, was nur geht, wenn man sich vor dem Tippen ausreichend Zeit zum Nachdenken nimmt und dann auch noch über ein ausreichend großes Vokabular verfügt - was keineswegs selbstverständlich in diesem unserem P.I.S.A-Lande ist. Aber auch wenn man sorgfältig formuliert, kann das in die Hose gehen, denn ein und dasselbe Wort hat oft je nach Zusammenhang sehr verschiedene Bedeutungen und erweckt die verschiedensten persönlichen Assoziationen, von denen der Verfasser nichts ahnen mag.
Es hilft wohl nur eins:
Wenn man sich angegriffen, beleidigt oder schlicht missverstanden fühlt oder den Eindruck hat, der Gegenüber könnte etwas anderes gemeint oder verstanden haben, dann muss man FRAGEN, bevor man einschnappt oder ausrastet.
Abschließend noch ein Zitat aus dem Usenet, das aber auch anderswo gilt:
Der Ton im Usenet ist häufig kürzer angebunden als im täglichen Leben, denn Tippen geht langsamer als Reden. Daher fallen Höflichkeitsfloskeln leichter unter den Tisch als anderswo. Deshalb sind die Aussagen aber weder oberlehrerhaft noch böse gemeint. [Thomas Hochstein]



