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W. Isaacson: Steve Jobs

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Walter Isaacson: Steve Jobs, Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers, Bertelsmann, ISBN 978-3-570-10124-7

Dies ist etwas anderes, als eine normale Leseempfehlung oder Buchbesprechung.

Einmal ist es schon deshalb anders, weil es sich um eine Biografie handelt. Es geht um reale Menschen und Schicksale. Es ist persönlich und nah und jeder, der sie liest, ist gewissermaßen ein Teil der Hintergrundhandlung. Eine Biografie ist weder ein Science Fiction noch eine andere Form von "leichter" Unterhaltung - jedenfalls, wenn sie gut ist und sich mit einer bedeutsamen Person befasst.
Und diese ist gut und befasst sich mit einer bedeutsamen Person. Aber das ist nur die halbe Geschichte.
Die andere Hälfte sieht so aus, dass die Biografie für mich bedeutsam ist, weil sie mir in besonders eindringlicher und beinahe beunruhigender Weise vor Augen geführt hat, wer ich bin und wie ich "ticke". Nicht, dass ich das bisher nicht gewusst hätte, aber es ist doch etwas anderes, wenn man sieht, wie es sich auswirken kann.

Im vergangenen Jahr, am 5.10.2011, starb Steve Jobs. Ich kannte natürlich den Namen; ich wusste, wie er aussieht; seine Rolle als Gründer von Apple und einige wenige andere Dinge waren mir bekannt. Ich wusste, dass er wohl allerhand in der Computerbranche ins Rollen gebracht hatte, aber das wars auch schon. Ich habe nie ein Apple-Produkt besessen und noch nichtmal mit dem Gedanken gespielt, eins zu kaufen. Ich habe vor längerer Zeit bonbonfarbene halbdurchsichtige iMacs gesehen, die mir ganz gut gefielen und auch die silhouettenartige minimalistische Werbung für den iPod ist mir erinnerlich. Aber die Welle der Produktbegeisterung, ja Manie, die weite Teile der Welt erfasst hat, ist irgendwie völlig an mir vorübergegangen.
Das einzige Apple-Produkt, das ich je in der Hand hielt, war ausgerechnet jenes, das nicht unter Jobs Leitung entwickelt wurde, das er verabscheute und nach seinem Neueinstieg in die kriselnde Firma schnellstens beerdigte - der Apple Newton, ein etwas klobiger Handheld mit Handschrifterkennung.
Allerdings brachte mich dieses Erlebnis dazu, mich für Handhelds zu interessieren und wenig später besaß ich einen - von US Robotics: den Palm 5000. Weitere folgten im Laufe der Zeit.
Ja, ich weiß, ich schweife ab. Um drei Ecken hat Apple also auch mich beeinflusst.
Nach Jobs Tod begannen etliche Leute, auf niedrigstem Niveau und mit unpassender Häme über ihn herzuziehen und so etwas geht mir immer gegen den Strich. Natürlich ließ und lässt sich allerlei Negatives über Apple und Jobs sagen oder schreiben - wie über jede größere Firma und jeden für eine solche verantwortlichen Chef.
Allerdings ist dieses Genörgle und Gemosere in meinen Augen speziell in diesem Fall eher ein Fall von Neid in ganz großem Stil, denn Apple und Jobs haben den Leuten so unheimlich viel gegeben und diese dabei so geschickt manipuliert und kontrolliert, dass selbst der geduldigste Mensch irgendwann mal aufmüpfig werden kann.
Was diese Biografie definitiv nicht ist, das ist eine Lobhudelei oder Rechtfertigung. Im Gegenteil. Walter Isaacson hat kein vollständiges, wohl aber ein realistisches Bild des Menschen Steve Jobs gezeichnet. Er hat viel Negatives zu hören bekommen und weitergegeben, aber er hat auch genug intime Details beschrieben, die jedem halbwegs vernünftigen Menschen die Augen darüber öffnen, warum Jobs so wurde, wie er war und warum Apple unter seiner Führung so erfolgreich wurde.
Jobs hat einige grundlegende Schwächen der Menschen im Umgang mit Technik erkannt, den Finger auf die Wunde gelegt und den Leuten etwas geliefert, von dem sie vorher gar nicht wussten, dass sie es brauchten und wie sie damit umzugehen hätten.
Er stieß Untergebene und Freunde gleichermaßen vor den Kopf und trieb sie zur Verzweiflung und später mussten sie zugeben, dass sie ohne ihn niemals das geschafft hätten, was er sie zu tun zwang.
Diese Biografie beschreibt nicht nur das Lebenswerk eines Genies und Nervtöters, sondern sie hält uns Lesern den Spiegel vor. Steckt nicht auch in jedem von uns manchmal ein bisschen Jobs oder besser noch: sollten wir nicht öfter bemüht sein, den inneren Schweinehund zu überwinden und mehr sein wie er?
Das Buch zeigt aber auch schonungslos die Nachteile, die es mit sich brachte, Steve Jobs zu sein: Missverstanden von vielen, verlacht von Ignoranten, gefürchtet von Angestellten ebenso wie von Weggefährten und Freunden. Sich selbst im Wege stehend und sich selbst zugrunde richtend, weil man die eigenen Prinzipien höher schätzt als das Leben und jederzeit in der Lage ist, die Realität zu ignorieren.
Diese Welt verdankt Steve Jobs viel mehr, als die meisten gedankenlosen Leute auch nur ahnen.
Dieses Buch schafft Abhilfe und darum sollte man es lesen.

   
© Ullrich Eisenheim