Browser - ewiges Problemkind?
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- Erstellt am Dienstag, 03. Januar 2012 13:07
- Geschrieben von IRON
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Lang ists her, dass ich mit Spry Mosaic und Netscape meine ersten Schritte im Internet machte. Dann begann mit Einführung des Internet-Explorers von Microsoft der sog. Browserkrieg, der von beiden Seiten oft mit harten Bandagen und auf dem Rücken der User ausgetragen wurde.
Als Microsoft mit Windows 95 den IE vorinstalliert auslieferte und zunehmend stärker ins Betriebssystem integrierte, war der Browserkrieg im Prinzip vorbei und von MS gewonnen, denn der bequeme Durchschnittsuser sah gar nicht ein, warum er sich irgend einen anderen Browser installieren sollte, wenn es doch auch mit dem vorinstallierten funktionierte.
Doch nach und nach stellte sich heraus, dass der IE zahlreiche Sicherheitslücken aufwies und MS nicht gerade bemüht war, diese zeitnah zu stopfen. Auch boten andere Browser mehr Features und mehr Komfort und der Browserkrieg begann erneut und mit wachsender Konkurrenz.
Je anspruchsvoller die User und je komplexer die Internet-Inhalte wurden, desto komplexer wurde auch die Browserkonfiguration - nicht gut für bequeme Durchschnittsanwender. Der auf dem Siegertreppchen müde gewordene Internet Explorer war nicht mehr "in". Mozilla, Phoenix (später Firefox) und natürlich Opera übernahmen zunehmend die Position - wenn schon nicht des Siegers, dann doch von Aufsteigern oder gar Favoriten. Etwa 2004 begann der Hype des Firefox, während bereits Opera und bald auch Googles Chrome an dessen Stuhlbeinen sägten.
Der Anwender hatte nun bereits gesetzlich festgelegt die Qual der Wahl - zumindest hier in Europa.
Lange Zeit galt der arg verallgemeinernde Grundsatz, dass Browser aus dem Hause Mozilla sicherer als der IE seien, oft auch schneller und schicker. Daran konnten auch Browseraufsätze für den IE nichts ändern, die ihm ein paar zusätzliche Features und eine bessere Optik verpassten.
Doch je größer der Anteil der Firefox-User wurde, desto deutlicher zeichnete sich ab, was eigentlich auf der Hand liegt: Jedes Werkzeug/Programm ist nur so gut, wie derjenige, der es benutzt.
Firefox ist heute hier in Mitteleuropa quasi zum Standardbrowser mutiert und hat dabei viel von seinem einstigen Außenseiter-Image eingebüßt. Der Otto Normaluser, der sich mit Konfiguration komplexer Programme so gut auskennt, wie die Kuh mit der Gentechnik, verzeiht keine Designfehler und Softwarebugs. Alles, was mehr als ein paar Mausklicks erfordert, ist unzumutbar.
Entweder, der Browser funktioniert gut oder er ist totale Scheiße. Läuft alles normal, verliert man kein Wort darüber, weil das ja auch so sein muss, ganz egal, wie verhunzt das System durch diverse Tuning-Tools und Installationsorgien auch ist. Aber wehe, der Browser wird langsamer, stürzt ab oder produziert fehlerhafte Seitendarstellungen. Dann taugt er nichts, ist Müll und man probiert einen anderen. Wenn der dann nach nem halben Jahr dieselben Probleme hat, kommt natürlich niemand auf die Idee, dass man selbst daran Schuld sein könnte, weil man das Betriebssystem zugemüllt und falsch konfiguriert hat.
Douglas Adams formulierte es so: Der beliebteste Fehler unter den Leuten, die etwas absolut Idiotensicheres konstruieren wollen ist der, dass sie den Erfindungsreichtum von absoluten Idioten unterschätzen.
Und wahrlich - es wimmelt da draußen nur so von absoluten Idioten, die es problemlos schaffen, ihren Browser zu schrotten. Ob sie nun der allerneuesten Version hinterherhecheln und dabei fehlerbehaftete Beta-Versionen installieren, ihre Browserkonfiguration durch die unkontrollierte Einschaltung von Fremdprogrammen wie Virenscanner, Desktop-Firewalls oder Tuning-Tools, Anonymizern, Spurenverwischern und einem Dutzend nutzloser Toolbars durcheinanderbringen - es ist ein Leichtes, eine komplexe Software aus dem Tritt zu bringen.
Natürlich ist dann immer der Browser Schuld - nie und nimmer man selbst.
Heute sind die meisten Leute hierzulande und auch anderswo mit dem mittlerweile leicht überkandidelten Firefox unterwegs und siehe da - sie fangen sich genauso viel Malware ein, wie Nutzer des Internet Explorers. Bei Chrome und Opera siehts auch nicht wesentlich besser aus, denn das Haupteinfallstor für Malware sind heute Drive-by-Infektionen, die auf Lücken in veralteten Browser-Plugins setzen. Und diese Plugins laufen nun mal in allen Browsern, weil man ja um keinen Preis irgend eine Funktion einer Webseite verpassen möchte. Die Webseite muss nur behaupten, man brauche ein Plugin, um dieses oder jenes sehen zu können und schon klickt der Internet-Trottel auf Download und Installieren.
Die bereits vorhandenen Plugins dagegen werden monatelang nicht aktualisiert und laden massenweise Malware ein, sich doch bitte unbemerkt zu installieren.
Ist das Kind dann in den Brunnen gefallen, hört man immer wieder, dass man geglaubt habe, alles aktualisiere sich automatisch. Natürlich gibts auch viele Leute, die noch nie was davon gehalten haben, Updates zu installieren. Dauert zu lange, funktioniert doch auch ohne und überhaupt ...
Tja, dann macht mal weiter so.
Ich selbst verwende fast ausschließlich die SeaMonkey-Suite von Mozilla mit Browser, Mail- und News-Client und aktuell (1/2012) über 20 installierten Add-ons. Mein Browser "laggt" nicht, er verbraucht nicht zuviel RAM, er stürzt vielleicht alle zwei Monate mal auf einer problematischen Seite ab und stellt fast alle Seiten so dar, wie es sich gehört. Bei den wenigen Ausnahmen sind meist fehlkonfigurierte Webserver oder unfähige Webdesigner Schuld. Mir gehen keine Passwörter oder Mails verloren und ich achte peinlichst auf die Aktualität von Plugins und Add-ons. Anfangs nervten die großen monatlichen Versionssprünge etwas (Firefox und Thunderbird Mail sind als portable Versionen auf einem USB-Stick im Einsatz), mit denen mancher bis heute nicht klarkommt, aber inzwischen hab ich mich dran gewöhnt. Letzlich sind das nur Zahlen, die rein gar nichts über die Funktionalität aussagen. Was wichtig ist, steht in den Release Notes. Wer das nicht lesen mag und lieber motzt, der hat das Thema verfehlt.



